Legionellen-Ausbruch in Berliner Seniorenheim

In einer Seniorenwohnanlage in Berlin-Tegel wurden zwei Todesfälle offiziell auf eine durch Legionellen ausgelöste Lungenentzündung (Legionellose) zurückgeführt. Das Gesundheitsamt Reinickendorf bestätigte den Zusammenhang. Schon im Januar war in der gleichen Anlage ein Legionellenbefall aufgetreten.

Nach dem Ausbruch meldeten sich mehrere Mieter mit Krankheitssymptomen, drei von ihnen mussten stationär im Krankenhaus behandelt werden. Die 93 Apartments der Anlage verteilen sich auf zwei Hausnummern, die sich jedoch eine gemeinsame Trinkwasserinstallation teilen – was erklärt, warum Bewohner beider Hausnummern von dem Legionellenbefall betroffen waren.

Warum sind Legionellen so gefährlich?

Legionellen sind Bakterien, die sich bevorzugt in warmem, stehendem Wasser vermehren – etwa in Duschköpfen, Wasserhähnen, Warmwasserspeichern oder selten genutzten Leitungsabschnitten. Zur Gefahr werden sie, wenn kontaminiertes Wasser als feiner Sprühnebel (Aerosol) eingeatmet wird, etwa beim Duschen.

Die dadurch ausgelöste Erkrankung, die sogenannte Legionärskrankheit (Legionellose), äußert sich meist als Lungenentzündung mit plötzlichem hohem Fieber, Husten und Atemnot. Daneben gibt es mit dem sogenannten Pontiac-Fieber eine deutlich mildere Verlaufsform ohne Lungenentzündung: Sie äußert sich meist durch grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Husten und heilt in der Regel innerhalb weniger Tage von selbst aus (RKI). Besonders gefährdet für einen schweren Verlauf sind.

  • ältere Menschen,
  • Menschen mit geschwächtem Immunsystem, etwa durch Erkrankung oder bestimmte Medikamente (z. B. Kortikosteroide)
  • Personen mit chronischen Grunderkrankungen,
  • Raucherinnen und Raucher.

Das RKI weist zudem ausdrücklich darauf hin, dass in Pflegeheimen und Krankenhäusern ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht, da hier häufig viele vulnerable Personen einer komplexen, gemeinsam genutzten Trinkwasserinstallation ausgesetzt sind – ein Punkt, der auch im aktuellen Fall in Tegel eine Rolle spielt.

Meldepflicht bei Legionellenbefall: Was schreibt das Gesetz vor?

Die Trinkwasserverordnung regelt die technische Seite: Wird in einer Trinkwasserinstallation bei einer systemischen Untersuchung der gesetzlich festgelegte technische Maßnahmenwert für Legionellen erreicht, muss dies unverzüglich dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Seit einer Neufassung der Verordnung im Jahr 2018 liegt diese Meldepflicht beim Erreichen des technischen Maßnahmenwertes primär beim untersuchenden Trinkwasserlabor und nicht mehr beim Betreiber selbst. Der Betreiber bleibt aber verpflichtet, beim Erreichen des technischen Maßnahmenwerts geeignete technische Maßnahmen zur Sanierung der Anlage zu ergreifen, die Ursachen zu ermitteln und die Verbraucher zu informieren.

Legionellenrisiken vermeiden: Was Betreiber jetzt tun sollten

Der Fall aus Tegel zeigt exemplarisch, welche gesundheitlichen Folgen ein Legionellenbefall haben kann, wenn er nicht frühzeitig erkannt wird. Wohnungsunternehmen, Hotelbetreiber, Pflegeeinrichtungen und Vermieter größerer Wohnanlagen sollten folgende Punkte konsequent umsetzen:

  • Regelmäßige Legionellenprüfungen gemäß Trinkwasserverordnung: Wer Trinkwasser im Rahmen einer gewerblichen Tätigkeit abgibt, etwa bei der Vermietung größerer Wohngebäude mit zentraler Warmwasseranlage, muss dieses mindestens routinemäßig alle drei Jahre auf Legionellen untersuchen lassen.
  • Zeitnahe Reaktion auf Erreichen des technischen Maßnahmenwertes: zunächst Ursachenermittlung durch einen Gutachter, dann technische Sanierung und transparente Information der Bewohner.
  • Lückenlose Dokumentation aller Probenahmen, Ergebnisse und ergriffenen Maßnahmen – auch um im Ernstfall Handlungsfähigkeit nachweisen zu können.
  • Besondere Sorgfalt bei vulnerablen Zielgruppen, etwa in Senioren- oder Pflegeeinrichtungen, wo die Folgen eines Befalls besonders schwer wiegen können.
Wie gefährlich sind Legionellen wirklich?

Laut Robert Koch-Institut sterben bei ambulant erworbenen Fällen der Legionärskrankheit etwa 5 bis 9 Prozent der Erkrankten, bei im Krankenhaus erworbenen Fällen sind es rund 13 Prozent (RKI). Das Risiko eines schweren Verlaufs steigt dabei deutlich bei älteren oder vorerkrankten Personen – wie der aktuelle Fall in Berlin zeigt.

Wie schnell entwickeln sich Symptome nach einer Legionelleninfektion?

Von der Ansteckung bis zu ersten Symptomen vergehen in der Regel wenige Tage. Ohne rechtzeitige Behandlung kann sich daraus eine schwere Lungenentzündung entwickeln.

Wie lässt sich ein Legionellenbefall im Trinkwasser erkennen?

Nur durch eine gezielte Wasseranalyse lässt sich zuverlässig feststellen, ob eine Trinkwasserinstallation mit Legionellen belastet ist. Sichtbare oder geruchliche Auffälligkeiten des Wassers gibt es nicht.

Eine professionelle Wasseranalyse schafft hier frühzeitig Klarheit – bevor aus einem technischen Risiko ein gesundheitlicher Ernstfall wird.

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